Latein

 

 

Latein am Neusprachlichen- und am Naturwissenschaftlichen-Gymnasium

Am Staatlichen Landschulheim Marquartstein wird das Fach Latein in beiden Ausbildungsrichtungen unterrichtet, die Sprachenfolge soll im Folgende kurz erläutert werden:

Schüler des Neusprachlichen Gymnasiums beginnen in der fünften Klasse obligatorisch mit Latein und erlernen dann in der 6. Klasse Englisch. In der 8. Klasse kommt für die Schüler dieses Zweiges Französisch als dritte Fremdsprache hinzu.

Schüler des Naturwissenschaftlichen Zweiges beginnen mit Englisch in der ersten Fremdsprache und können dann zwischen Latein und Französisch, der zweiten Fremdsprache wählen, die es ab der 6. Klasse zu erlernen gilt.

Der Lateinunterricht lässt sich grob in zwei Ausbildungsphasen unterteilen: Während der Spracherwerbsphase lernen die Schüler mit Hilfe von Lehrbüchern die Grammatik und Übersetzungstechniken kennen. In beiden Ausbildungsrichtungen endet die Spracherwerbsphase mit der 8. Jahrgangsstufe. In der Lektürephase, die von der 9. bis zur 12. Jahrgangsstufe reicht, gewinnen die Jugendlichen durch das Lesen der Originale Einblick in die Kultur, Geschichte und Lebenswelt der Antike.

Für die Schüler beider Ausbildungsrichtungen besteht die Möglichkeit, Latein nach Abschluss der 9. Jahrgangsstufe abzulegen und stattdessen Spanisch zu erlernen, diese Schüler verpflichten sich aber Spanisch bis zum Abitur beizubehalten.

Immer wenn es neue Sprachen zu wählen gibt, findet etwa ein halbes Jahr vorher eine Informationsveranstaltung statt, wo die Fachbetreuer und Beratungslehrer Eltern und Schülern Einblick vermitteln und mit ihrem Rat zur Seite stehen.

 

Link zum Lehrplan

Lehrplanübersicht und Grundwissen in den einzelnen Lehrphasen

Übersicht über die wesentlichen Lehrinhalte des Faches Latein in den verschiedenen Ausbildungsrichtungen sowie Bemerkungen zum daraus resultierenden Grundwissen

I. Während der Spracherwerbsphase

Während der Spracherwerbsphase orientiert sich das erwartete Grundwissen (in Bezug auf Vokabular, Grammatik, Terminologie, Sprachreflexion und der Erschließung und Strukturierung von Texten) an den jeweiligen Lehrwerken.

 

Hinzu kommt für die 5. - 8. Jahrgangsstufe folgendes Wissen zur antiken Kultur:

 

  • Latein als Basissprache Europas

  • Fortleben des Lateinischen im Deutschen und in den modernen Fremdsprachen

  • antiker Mythos

  • politisches, gesellschaftliches, religiöses, alltägliches Leben im Imperium

  • Antike als Fundament der europäischen Kultur

  • Präsenz der Antike in der heutigen Welt

II. Während der Lektürephase

In der darauf folgenden Lektürephase werden die im Lehrplan geforderten Inhalte gefordert, die im Folgenden tabellarisch wiedergegeben werden sollen. Hinzu kommt lektürebegleitender Wortschatz und Grammatik, Sprachbetrachtung und Sprachvergleich, Interpretation von Texten, wissenschaftliche Terminologie und die Fähigkeit zum Übersetzungsvergleich.

 

Folgende Tabelle gibt Aufschluss über die Themen und Autoren der Jahrgangsstufen:

9. Jahrgangsstufe:

  • Macht und Politik - Caesar
  • Liebe, Laster, Leidenschaft - Martial, Catull, Ovid: "Ars amatoria"
  • Rom und Europa - Texte verschiedener Autoren und Epochen

 

10. Jahrgangsstufe:

  • Rede und Brief - Cicero
  • Mythos - Ovid: "Metamorphosen"
  • Denken, ein Schlüssel zur Welt - philosophische Texte von Cicero, Seneca, Kopernikus

 

11. Jahrgangsstufe:

  • Philosophische Haltungen - Cicero, Seneca, fakultativ: Lukrez, Horaz, Augustinus
  • Satirische Brechung - Petron: "Satyrica", Horaz: "Satiren"

 

12. Jahrgangsstufe:

  • Politische Perspektiven - Vergil: "Aeneis", Livius: "Ab urbe condita"
  • Staatsphilosophische Entwürfe: Cicero: "De re publica", fakultativ: Sallust, Seneca, Augustinus

III. Antike Kultur

Ferner wird im Bereich der antiken Kultur Wissen über folgende Themenbereiche erworben:

  • bedeutende Gestalten der Antike
  • Möglichkeiten und Grenzen politischen Wirkens
  • antike und moderne Rhetorik
  • Epos und Lehrgedicht
  • Wertvorstellungen in der Antike und heute
  • antike Philosophie
  • antike und moderne Geschichtsschreibung                        
  • Staatsverständnis von der Antike bis zur Gegenwart
  • Formen satirischer Darstellung
  • Bedeutung der Antike für die kulturelle Entwicklung Europas
  • Rezeption in Kunst, Musik und Literatur

Latinum
Voraussetzungen zum Erwerb des Latinums bzw. von Lateinkenntnissen

Zum Begriff: Latinum

Derzeit gibt es an den unterschiedlichen Universitäten etwa 120 Fächer, deren Studien- und Prüfungsordnungen Lateinkenntnisse in unterschiedlicher Form verlangen, so der deutsche Altphilologenverband. Zu nennen sind unter anderem die geisteswissenschaftliche Fächer, wie Theologie, Fremdsprachen, Philosophie, Geschichte oder Archäologie.

In der grundlegenden Vereinbarung der deutschen Kultusministerkonferenz (KMK) vom 26. Oktober 1979 wurde zuzur Definition des Latninums folgende Festlegung getroffen:


Unter „Lateinkenntnissen“ wird die Fähigkeit verstanden, lateinische Originaltexte im sprachlichen Schwierigkeitsgrad inhaltlich anspruchvollerer Stellen mit Hilfe eines zweisprachigen Wörterbuches in Inhalt, Aufbau und Aussage zu erfassen und dieses Verständnis durch eine sachlich richtige und treffende Übersetzung ins Deutsche nachzuweisen. Hierzu werden Sicherheit in der für die Texterschließung notwendigen Formenlehre und Syntax, ein ausreichender Wortschatz und die erforderlichen Kenntnisse aus dem Bereich der römischen Geschichte, Philosophie und Literatur vorausgesetzt.

Der Erwerb des Latinums am achtjährigen Gymnasium

Im achtjährigen Gymnasium erwerben Schüler mit Latein als erster und als zweiter Fremdsprache die Voraussetzungen für das Latinum über den Pflichtunterricht, wenn sie im Fach Latein in Jahrgangsstufe 10 mindestens die Jahresfortgangsnote „ausreichend“ erzielen; das Latinum selbst wird erst mit dem Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife verliehen. Schüler, die in Jahrgangsstufe 10 Latein als erste oder zweite Fremdsprache durch eine spät beginnende

Fremdsprache, am Landschulheim Marquartstein Spanisch, ersetzen, können die Voraussetzungen für das Latinum mit dem Bestehen einer von der jeweiligen Schule abgehaltenen Feststellungsprüfung (auf dem Niveau eines mittelschweren Cicerotextes) am Ende der Jahrgangsstufe 9 erwerben.

Res gestae
Veranstaltungen und Exkursionen im Rahmen des Lateinunterrichts

Dass Latein keine tote Sprache sein muss, zeigen verschiedene Veranstaltungen und Exkursionen, die teils in regelmäßigen, teils in unregelmäßigen Abständen von Lehrkräften des Landschulheimes organisiert und durchgeführt werden.

Hierzu gehört sicherlich der Dies Latinus, ins Leben gerufen durch Katharina Wagner, eine Veranstaltung, die jedes Jahr ein anderes Thema in Form von wissenschaftlichen Vorträgen und Arbeitsstationen ins Zentrum stellt.

Gleichzeitig finden im Rahmen des Lateinunterrichtes aber auch immer wieder Exkursionen zu antiken Stätten, Ausgrabungen oder Ausstellungen statt, so etwa nach Rom (Christian Zill mit seinem Leitungskurs), nach Regensburg (René Steinlehner mit einer 7. Klasse) oder nach Trier (Sandra Altmann mit einer 10. Klasse).  Natürlich statten wir auch dem Römermuseum und den Ausgrabungen in und um Seebruck immer gerne einen Besuch ab, auch etwa auf dem historischen Radweg.

Regelmäßig gibt es im Fach Latein W- Seminare (so etwa "Kaiser Augustus" oder "Kaiser Constantin", beide von Herrn Zill), aber auch P-Seminare (angeboten von Frau Wagner) mit den Themen "Römer für Grundschüler" oder "Trojanisches Tagblatt".

P-Seminar Trojanisches Tagblatt

Wie hat wohl die letzte Zeitung in Troja ausgesehen? Was waren die letzten wichtigen Nachrichten? Gab es schon Horoskope und einen Sportteil und wie schreibt man einen Nachruf auf den verstorbenen Kronprinzen Hektor? Alle diese Fragen beschäftigten uns, als wir vor gut einem Jahr mit der Arbeit an unserem Projekt (Nuntii Trojani = Trojanisches Tagblatt) anfingen. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Lektüre, die viele bekannte Textpassagen aus Homers Ilias aufgreift, aber auch aktuelle Nachrichten aufbereitet, wie z. B. in unserem Artikel Pferdefleisch in Fertig-Gyros.

Bedanken möchten wir uns bei all unseren Käufern/Lesern, die unser Projekt bei der 85-Jahrfeier unserer Schule unterstützt haben.

 

Wenn sie jetzt neugierig geworden sind, dann gibt es hier eine kleine Leseprobe:

Dies Latinus VI

Dass Latein keine tote Sprache ist und die Spuren der Antike auch in unserer Gegenwart noch immer zu Tage treten, machte der Dies Latinus (Lateintag) am Staatlichen Landschulheim Marquartstein deutlich. Organisiert von den Lateinlehrern des Gymnasiums stand der Tag unter dem Zeichen der Archäologie. Eröffnet wurde diese Veranstaltung durch den Schulleiter Erwin Appenzeller mit einer freien lateinischen Ansprache, die drei Leistungskursschüler (Jeannine Geigenmüller, Ferdinand Hinke und Florian Sänger) simultan ins Deutsche übersetzten.

 

Vor den Lateinschülern der Unter- und Oberstufe sprach anschließend Frau Dr. Susanne Nakaten, die an der Universität Trier Klassische Archäologie lehrt, über Grabungs- und Konservierungstechniken. Sie erzählte auch sehr persönliche Erlebnisse und kam so auf ihre Motivation zu sprechen, sich überhaupt den Altertumswissenschaften zu widmen. Zudem machte sie den Schülern klar, dass die Archäologie vieler Hilfswissenschaften bedarf, so etwa der Chemie, der Geographie, der Biologie, der Vermessungstechnik und natürlich der alten Sprachen. Mitgebracht hatte die Wissenschaftlerin einige Originale, so eine ägyptische Stele ein römisches Amulett sowie eine griechische Trinkschale, die sie während ihres Vortrages durch die Hände der Schüler gehen ließ.

 

In Kleingruppen durften daraufhin die Unterstufenschüler, von Kollegiaten betreut, verschiedene Arbeitsstationen durchlaufen. Dabei lernten die Schüler durch die Erläuterungen der Latinistin Katharina Wagner die Ausgrabungen von Pompeji kennen. Mythologie und ihre bildliche Darstellung vermittelten Christian Zill, Michael Mang und Sandra Altmann, während Iris Knitl und die Keramikerin Majlies Dobel mit den Schülern kleine Anhänger aus Ton anfertigten. Bei Peter Straßer konnten sich die Kinder in der Anfertigung eines Mosaiks versuchen.

 

Höhepunkt war jedoch sicherlich Dr. Nakatens Station, wo die Schüler eine Ausgrabung im Kleinen nachvollziehen konnten. In einem Korb hatte die Archäologin eine Miniaturausgrabung rekonstruiert und dabei Gegenstände in Lehm versteckt. Die Kinder hatten ein Areal abzustecken, zu vermessen und zu graben.

 

Eine gemeinsame Brotzeit, gesponsert von Verein der Freunde des Landschulheims und der Sparkasse Marquarstein, rundete den lehrreichen und kurzweiligen Dies Latinus ab.

Trierexkursion

Lateinschüler der Klasse 10b auf den Spuren Konstantins

Am 15. Januar 2009 um 15.30 Uhr brachen die Lateinschüler der Klasse 10b mit ihren begleitenden Lehrkräften, Herrn Strasser und Frau Altmann, auf zu einer langen Reise in die Antike, um nach einer mehr als achtstündigen Zugfahrt gen Westen kurz vor Mitternacht in Trier anzukommen. Schon im Vorfeld hatte ich den Jugendlichen vom mediterranen Klima und den sanften Weinhängen vorgeschwärmt, bewahrheitet haben sich meine Schilderungen nicht. Auf dem Rhein trieben große Eisschollen, die Mosel zeigte sich zugefroren und lediglich mit dem Eisbrecher schiffbar. Die Schüler ließen sich die Stimmung davon aber keineswegs verderben. Wir bezogen Quartier im Warsberger-Hof, ein Jugendhotel, das sich angrenzend an die Fußgängerzone als ideale Unterbringung erwies.

 

Unser erster Tag stand ganz im Zeichen der Musen und so starteten wir voller Tatendrang, um das Amphitheater genauer zu inspizieren, das aber auf Grund der völlig vereisten Arena für Besucher geschlossen blieb. Wir begnügten uns demnach mit dem Ausblick in die Anlage von einer Panoramaterrasse aus und lauschten einem Referat von Isabella Philipp und Kilian Weilbach. Nach einem Spaziergang durch die Innenstadt und der Besichtigung des Doms gemeinsam mit Marcus Altmann, der den Schüler sowohl von der Triers Blütezeit als auch von der Schwierigkeiten ihrer Verteidigung gegen einfallende Barbarenstämme erzählte, machten wir uns auf zu den hohen Hallen der Universität. Wir lauschten einem Valediktionsvortrag von Prof. Dr. Günter Grimm über „Athenes Zorn auf Medusa“ und wurden nach dem Abendessen eingeladen in die berühmte und für die Öffentlichkeit gewöhnlich nicht zugängliche Abgusssammlung der Universität. Frau Dr. Susanne Nakaten führte unsere Schüler gastfreundlich durch die Räume, erzählte allerlei Wissenswertes und Amüsantes und demonstrierte den jungen Leuten, dass die Altertumswissenschaften ganz und gar nicht verstaubt sind.

 

Auch am Samstag war unser Programm völlig der Antike gewidmet: So besichtigen wir (wieder bei eisigen Temperaturen) die Kaiserthermen, die Konstantinsbasilika, natürlich die Porta Nigra und zuletzt die mittlerweile unterirdischen Viehmarktthermen, wo Sadia Ahmad und Patricia Obster über die Badekultur der Römer referierten. Auf den Vorschlag von Peter Steinlehner und Sebastian Liebl hin ließen wir unseren gelungenen Ausflug bei einem ausgiebigen gemeinsamen Abendessen ausklingen.

 

Denn am Sonntag hatten wir bereits früh am Morgen die Heimreise anzutreten. An den Hängen der noch immer gefrorenen Mosel und am Rhein entlang reisten wir nach Stuttgart, wo wir mehrere Stunden Aufenthalt hatten, so dass für die Schüler die Möglichkeit bestand, die an den Bahnhof angrenzende Innenstadt zu erkunden. Nach unserer Weiterfahrt erreichten wir Übersee etwa um 18 Uhr, erschöpft sicherlich, aber um viele neue Eindrücke reicher.

 

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei meinem Bruder, Marcus Altmann, der auf Grund seiner beruflichen Tätigkeit in Trier die Stadt besser kennt als jeder Reiseführer, bei Peter Straßer für die tolle Begleitung und natürlich bei unsren Schülern, die durch ihr Interesse und ihre gute Laune diese Exkursion in die Antike zu einer lohnenden Reise gemacht haben!

 

 

Lateinexkursion

Rudern im römischen Flusskampfschiff